Ein kurzer Näh-Trip ins Mittelalter

29.05.2013
Da ich einer Freundin versprochen hatte, ihr beim Outfit für das Role Play Convention (RPC) dieses WE in Köln auszuhelfen, nähe ich zurzeit an einem Cotte für sie.

Was ist die RPC?
Bei der Convention dreht sich alles um Rollenspiele und deren Variationen. Es ist ein großer Anziehungspunkt für Larper, Steampunker, Mittelalter-Interessierte und eben die Rollenspieler (usw.). Neben der Möglichkeit zu spielen, gibt es Verkaufsstände, Bühnenprogramm, Mittelaltermarkt usw.

Was ist eine Cotte?
Ein Cotte ist ein Unterkleid, welches von Männern und Frauen im Mittelalter getragen wurde. Es wird über dem Unterhemd, aber unter dem Surcot (Überkleid) getragen. Kann aber auch als Oberbekleidung getragen werden.


Zuerst dachte ich: Oh je, wie nähe ich das bitte schön! Aber nach dem ersten Blick auf das Schnittmuster war ich sehr erleichtert und erstaunt, wie einfach diese Kleider geschnitten sind. Im Grunde besteht es aus einem Recheck mit Kopfloch, angesetzten Ärmeln und Stoffkeilen für den Rock.



Es ist mal was anderes als die modernen Schnitte und auf seine eigene Weise interessant. Obwohl es ohne Abnäher oder Teilungsnähte auskommt, kann es sehr eng am Körper sitzen, was durch Schnürungen möglich ist. Die sind beim Cotte an der Seitennaht zwischen Ärmel und Hüfte.

Die Stoffkeile heißen hier Geren und werden eingesetzt, um dem Rock die Weite zu geben. Da im Mittelalter Stoff wertvoll war, wurde versucht, so wenig Verschnitt wie möglich zu haben. So ruhen fast alle Schnitte mehr oder weniger auf Rechtecke und Keile.
Was man hier nicht sieht: In den Ärmeln sind auch Geren eingesetzt, die auf der Rückseite verlaufen. Und die Naht verläuft nicht wie gewohnt auf der Unterseite, sondern auf der Rückseite.

Dieses Wissen habe ich mir bei einer schnellen Internetrecherche angeeignet, was relativ einfach zu finden ist. Die Larper geben wohl gerne Hilfestellung für historische (einigermaßen korrekte) Kleidung.

So war das Schnittmuster erstellen eine weniger mathematische Akrobatik, wie sonst üblich, und ich konnte mich flott an die Maschine setzen.


- Ärmel mit eingesetzter Gere -

In der Mitte der Haupttorso/recheck, oben die Ärmel und unten die seitlichen Geren, die aus 2 Teilen bestehen. Das Nähen ist auch keine große Aktion, da alles nur lange, gerade Nähte sind.
Falls ihr euch wundert, dass dem Ärmel die Armkugel fehlt. Das wird nachher noch reingeschnitten.


Aktueller Stand ist, dass die Geren im Rock eingenäht und versäubert sind und der Ausschnitt mit Schlitz fertig verstürzt ist. Morgen ist die erste Anprobe und die Ärmeln werden angenäht.

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